Das große Geschäft: Fußballwetten

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland ca. 7,7 Mrd. EUR mit Sportwetten umgesetzt. Davon entfielen annähernd 90% auf Fußballwetten. Doch das ist nur ein Teil des Marktes, denn statistisch erfasst werden nur diejenigen Wettanbieter, die in Deutschland Steuern zahlen. Experten schätzen, dass der Sportwettenmarkt in Deutschland insgesamt etwa 12 Mrd EUR  "schwer" ist.

Laut einer aktuellen Studie, die im Auftrag von Westlotto in NRW, Hamburg und Berlin durchgeführt wurde, sind die Besucher von Wettbüros zu 98% männlich und verfügen zu 86% über einen Migrationshintergrund. Allerdings liefern diese Zahlen kein wirklich repräsentatives Bild, denn der Anteil der Online-Wetten nimmt permanent zu. 

Der Markt für Sportwetten wird hierzulande dominiert von großen Ketten und Online-Anbietern, die auch nicht-wettenden Sportfreunden aus der Fernsehwerbung bestens bekannt sind - tipico, bwin, interwetten, bet-at-home sind nur einige von ihnen. Wer in Deutschland offen auftritt, verfügt über eine staatliche Konzession und hält sich an gewisse Regeln, etwa was die Höhe des maximalen Wetteinsatzes angeht. Die vielen Wettbüros in unseren Städten werden in aller Regel von einzelnen Betreibern auf Franchise-Basis geführt. Die großen Wettanbieter (und Franchise-Lizenzgeber) haben ihre Hauptsitze häufig auf Malta oder in Gibraltar, wo Gesetzgebung und Steuersystem weniger streng sind als hierzulande. Mit oddset gibt es in Deutschland auch einen staatlichen Anbieter von Sportwetten. 

Der weltweite Sportwettenmarkt wird auf kaum noch fassbare 500 Mrd. EUR jährlich geschätzt. Der größte Teil des Wettgeschäfts findet außerhalb gesetzlich geregelter Märkte statt - illegal und steuerfrei. Das macht Sportwetten so interessant für die organisierte Kriminalität und so anfällig für Manipulationen.

Die große Sauerei: Matchfixing

Gerade Spiele, die weniger stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sind für Wettbetrüger interessant. Und so kommt es, dass auf Spiele in sportlich unbedeutenden Ligen häufig hohe Beträge gesetzt werden, auch in Deutschland, aber vor allem in China, Malaysia, Hongkong und einigen Balkanländern. Sechsstellige Einsätze sind keine Seltenheit.

Gesetzt wird auf praktisch alles: natürlich auf den Spielausgang, aber auch auf Tore, Freistöße und Elfmeter, Gelbe und Rote Karten...

Matchfixing ist der Schlüsselbegriff für manipulierte Spiele. Durch Deals zwischen Wettbetrügern und am Spiel Beteiligten (Spieler, Schiedsrichter) werden Spielverläufe und -ergebnisse im voraus festgelegt und nicht mehr im fairen Wettbewerb zwischen den beteiligten Mannschaften ermittelt.

"Jede Woche werden Spiele manipuliert."

Wie Kripo-Mann und HSV-Fan Michael Bahrs gegen Matchfixing und illegale Fußballwetten kämpft.
Ein Beitrag von Manfred Ertel auf shz.de (09. Januar 2018)

Michael Bahrs, Kriminalhauptkommissar für Organisierte Kriminalität beim Polizeipräsidium Bochum, ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Ermittler der ehemaligen Sonderkommission "Flankengott", die zehn Jahre lang bis 2017 in Deutschland und europaweit (Europol) gegen Wettmanipulationen im Fußball ermittelt hat. Er hat einige der bekanntesten Wettpaten zur Strecke gebracht. Auf der Webseite www.matchfixing.de  informiert er ausführlich über das Thema Wettmanipulation im Profisport.